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Der Tatort...

Der Tatort ist der Ausgangspunkt der polizeilichen Ermittlungen. Er stellt zunächst wichtigste Informations-, Erkenntnis- und Auskunftsquelle dar. Durch ihn können Hinweise auf den Tatablauf, das Opfer und den Täter gezogen werden.

Vom Strafrecht werden für den Tatort folgende Theorien dogmatisiert:

 

Erster Angriff... -  umfaßt alle unaufschiebbaren Feststellungen und Maßnahmen zur Aufklärung einer Straftat
Sicherungsangriff... - ist der Maßnahmenansatz zur Erhaltung eines möglichst unveränderten Spurenbildes
Auswertungsangriff... - ist die sichernde und auswertende Tätigkeit, d. h. die Feststellung und Auswertung der am Tatort gefundenen Spuren und Hinweise

Tatortangriff:

 

Tatort - Erster Angriff

Hierbei sollen alle unaufschiebbaren Feststellungen und Maßnahmen zur Aufklärung einer Straftat getroffen werden. Die Tätigkeit ergibt sich aus der klassischen und originären Zuständigkeit der Polizei gem. §163 StPO.

Es gilt logische und einfache Grundsätze zu beachten - auch solche die zunächst nur als oberflächlich betrachtet werden - da die Nichtbeachtung eine eventuelle dauerhafte Spurenbeseitigung und damit eine erschwerte Rekonstrukturierung des Tatablaufes und der Täterüberführung bedeuten könnte. Jede noch so gering erscheinende Kleinigkeit kann später von größter Wichtigkeit werden!

Zu beachten ist, daß viele Spuren latent, d. h. auf den ersten Anblick nicht zu erkennen sind. Im Zweifelsfall immer erst Rücksprache mit einem fachkundigen Beamten führen.

Als großer "Straßenirrtum" gilt insbesondere, daß das vermeintliche Handschuhe zu tragen vor einer Spurenvernichtung schützt! So kann man mit den Handschuhen keine Fingerabdruckspuren setzen, aber dafür umso mehr eindeutige verifizierbare vernichten! Deshalb: Möglichst wenig vor der Spurensicherung durch Fachpersonal anfassen! Sollte dies unmöglich sein, dann sind Gegenstände dort anzufassen, wo diese vermeintlich nicht angefasst werden.

Das Herbeiführen von selbst gesetzten Spuren ist unbedingt zu vermeiden. Dies begründet sich vor allem aus den erweiterten Möglichkeiten der Kriminaltechnik. Die Gefahr auf Trugspuren (eigene Faserspuren, Haare, Zigaretten, Essen, Trinken, etc.) aufzusitzen ist sehr groß, und kann den Ermittlungserfolg durch Falschverdächtigungen erheblich erschweren. Da es aber dennoch immer wieder zum Setzen von Trugspuren kommen kann, ist der Sachbearbeiter unbedingt auf diese hinzuweisen!

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung von Bildern und damit deren kostenneutrale Weiterverarbeitung wird dringend geraten vor der Beeinträchtigung von Spuren unbedingt ein fotografische Sicherung vorzunehmen. Es sollte sich hierbei jedoch um eine angemessene Auflösungsfähigkeit der Digitalkamera handeln, da sonst ähnlich wie bei einem Polaroid-Bild die Rasterung zu groß wird, und die zunächst gut gemeinten Bemühungen von geringer Weiterverwendungsmöglichkeit zeugen.

 

Sicherungsangriff

Ziel ist, für den Auswertungsangriff ein möglichst unverändertes Spurenbild zu erhalten!

Schon bei der Anfahrt zum Tatort sind die persönlichen Informationen zu berücksichtigen und kriminalistischen Erfahrungswerte einzusetzen.
Bei Eintreffen am Tatort ist Ruhe zu bewahren und ein grober Überblick zu verschaffen. Wesentliche Einzelheiten die mit dem Eintreffen am Tatort zusammenhängen notieren.

Als oberstes Prinzip gilt es jedoch Verletzte (nicht nur Opfer, auch Täter!), die notwendige Erstversorgung zu gewährleisten, Gefahrenquellen auszuschalten und sonstige Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung abzuwehren! Die Ursprünglichkeit des Tatorts ist soweit wie möglich - in Betracht kommt hier auch eine weiträumige Absperrung - zu erhalten. Es empfiehlt sich für den Erhalt der Ursprünglichkeit des Tatorts generell eine weiträumige Absperrung (z. B. Verkehrsumleitung, falls erforderlich), da eine Reduzierung zu späterem Zeitpunkt als eher unproblematisch erscheint. Das Anlegen eines Trampelpfades soll grundsätzlich in Betracht gezogen werden.

Zeugen und Auskunftspersonen sind festzustellen und schriftlich zu notieren. Aufgrund der Erstinformationen ist auch eine eventuelle Fahndungseinleitung unter Berücksichtung der Örtlichkeit (Fluchtart, -möglichkeit, Gebäude, Verkehrswegen, etc.) einzuleiten. Unbefugte sind unbedingt fernzuhalten und die Weitergabe von Informationen an polizeifremde Personen unbedingt zu vermeiden!

Ist der Tatverdächtige auf frischer Tat betroffen oder wird er bereits in einem frühen Verfahrensstadium als Tatverdächtiger festgestellt, so sollte dieser aus ermittlungs- und spurentaktischen Gründen unmittelbar aus dem Tatortbereich in anderweitige polizeiliche Obhut entfernt werden.

Offensichtliche Spuren sind gegebenenfalls auch provisorisch zu sichern! Das Verbot nichts zu verändern oder zu berühren bezieht sich sowohl auf Leichen, als auch auf Geräte, Werkzeuge, etc. Toilettenspülungen sollen nicht betätigt werden und die Stellung von Gas- und Wasserhähnen, Lichtschaltern, elektrischen Geräten, Öffnungszustand von Türen und Fenstern sind unbedingt zu notieren!

 Die Ausfertigung des Sicherungsberichtes erfolgt grundsätzlich von den erstzugreifenden Beamten. Alle Feststellungen, Ereignisse, Maßnahmen, etc. sind objektiv in schriftlicher Form niederzuschreiben. Die Übergabe des Berichts erfolgt an den zuständigen Sachbearbeiter vor Ort! Weitere Ausführlichkeiten können auch später schriftlich fixiert und den Akten zugefügt werden.

 

Auswertungsangriff

Je nach Zuständigkeitsregelung und zugrunde liegendem Delikt wird dieser durch die bereits mit den Sicherungsangriff beschäftigte Dienststelle, den Kriminaldauerdienst oder einer zuständigen Fachdienststelle durchgeführt. Es ist je nach Sachlage und Verfügbarkeit eine Beteiligung kriminaltechnischer Fachdienste (hierzu zählen auch Gerichtsmediziner, Tatortzeichner, Tatortfotografen, Tatortdaktyloskopen, Tatortfachkräfte anderer kriminaltechnischer Disziplinen) in Betracht zu ziehen.

Die zentrale Aufgabe des Auswertungsangriffs besteht in der Spurensuche und -sicherung am Tatort. Auf eine systematische Spurensuche ist unter Anwendung folgender Systematiken besonders zu achten:

Im kriminalistischen Arbeitsalltag scheint die Suche entlang des rekonstruierten Täterweges am häufigsten angewandt. Die Anwendung einer bestimmten Systematik erscheint jedoch aus nachrangiger Bedeutung wenn überhaupt systematisch untersucht wird!

Als offensive Erkenntnisgewinnung dient zunächst die Ermittlung und Befragung in der näheren Tatortumgebung. Erfahrungsgemäß stehen der Individualismus und die alleinige Beachtung des eigenen Wohls heutzutage im Vordergrund, wodurch immer weniger Tatzeugen sich freiwillig zur Verfügung stellen.
Es erscheint geboten, wichtige Zeugen sofort zu vernehmen - dies umso dringender, wenn durch deren maßgebliche Beobachtung weitere durchzuführende Maßnahmen zu stützen sind - da der einsetzende Erinnerungsverlust, insbesondere der Detail-Beobachtungen, nicht von geringem Bestand ist.
Gleiches gilt für eine eventuelle Tätervernehmung; schließlich ist der Eindruck der Tat und der polizeilichen Feststellung noch sehr frisch. Die Wahrscheinlichkeit wahrheitsgemäße Angaben zu erhalten ist zu dieser Zeit erheblich höher, als wenn der Beschuldigt sich noch die passende Geschichte überlegen kann.

Sind die übrigen und ergänzenden gefahrenabwehrenden Maßnahmen eingeleitet, bzw. getroffen worden (Zeugenvorladungen, Sicherung des Tatorts vor weiterem unbefugtem Zutritt, Hinzuziehung von Ordnungsbehörden, etc.), so sind nach den Meldeverpflichtungen der vorgesehenen Stellen und Anfertigung der Pressemeldungen die getroffenen Maßnahmen in einem Tatort- und Ermittlungsbericht zusammenzufassen. Letzterer wird den Ermittlungsakten beigefügt. Hierzu gehören auch sonstige Schriftstücke wie beispielsweise Vernehmungsprotokolle.

Nicht vergessen: Nach der Beendigung des Auswertungsangriffes ist der Tatort wieder freizugeben!

 

Tatort- und Ermittlungsbericht

Die Zusammenfassung der Maßnahmen des Auswertungsangriffs werden in einem sogenannten Tatort- und Ermittlungsbericht zusammengefasst. In diesem Zusammenhang wird auch oftmals der Tatortbefundbericht erwähnt. Letzterer bezieht sich jedoch nur genau genommen nur auf die eigentliche Tatortarbeit. Über weitere Maßnahmen des Auswertungsangriffs muss in solchen Fällen jedoch gesondert berichtet werden.

Folgender Gliederungsanhalt hat sich für den Tatort- und Ermittlungsbericht bewährt:

 

Fehlerquellen

Fehler im Bereich des ersten Angriffs erweisen sich wie schon zuvor beschrieben meist als irreparabel. Negative Auswirkungen auf das gesamte Ermittlungsverfahren sind die Folge!

Nachfolgend folgt eine Enumeration mit den häufigsten Fehlerquellen bei den jeweiligen Berichten.

Fehlerquellen beim Sicherungsangriff:

Fehlerquellen beim Auswertungsangriff:

 

Autor und Copyright: Heiko Edlinger, 2003

 

 

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letzte Aktualisierung am 23.03.2005

 

Quellennachweis: